„Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit organischer Krankheit; Gesundheit ist körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden.“ (Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO). Sucht wirkt auf alle drei dieser Ebenen zerstörerisch. Auch die Ursachen für Sucht lassen sich im Beziehungsgeflecht dieser Ebenen finden und sind individuell oft sehr verschieden. Jedenfalls zeigt die Erfahrung, dass die meisten der PatientInnen von frühester Kindheit an schweren Belastungen im sozialen Nahraum ausgesetzt waren und daher oft keine befriedigende Beziehungsfähigkeit aufbauen konnten. Gestörte Familienbeziehungen, körperliche Misshandlungen, sexueller Missbrauch, aber auch das Fehlen von Grenzen oder materielle Überversorgung bei emotionaler Vernachlässigung sind hier nur einige Auslöser. Das Suchtmittel als verlockender Ausweg ohne Anstrengung wirkt zwar anfangs spannungsmildernd und befreiend, entfaltet aber mit Fortschreiten der Sucht eine zerstörerische Wirkung auf die Beziehung zum eigenen Körper, die Beziehung zu anderen Menschen, die Beziehung zur eigenen Zukunft, zur eigenen Kreativität und Genussfähigkeit. Dies alles wird durch die Beziehung zum Suchtmittel ersetzt. In weiterer Folge bewirkt die Sucht die Zerstörung der Persönlichkeit, der Beziehungs- und Leistungsfähigkeit, es droht körperlicher Verfall, der Verlust des Arbeits- bzw. Ausbildungsplatzes und die gesellschaftliche Ausgrenzung.
Sucht ist auch ein Symptom unserer konsumorientierten Konkurrenz- und Leistungsgesellschaft, in der zwischenmenschliche Beziehungen oft zu kurz kommen und alles immer schneller, perfekter und beziehungsloser abläuft. Manche nehmen diese Lebensideologie besonders ernst und werden zum/r Suchtkranken ohne sich ihrer emotionalen und sozialen Defizite bewusst zu werden.
Der „Grüne Kreis“ bietet im Spektrum österreichischer Suchteinrichtungen lang- und kurzzeittherapeutische sowie ambulante Programme zur Rehabilitation und Integration suchtkranker Menschen an. Voraussetzung für die Aufnahme in den „Grünen Kreis“ ist die Bereitschaft der PatientInnen zum Mitleben und zur Mitarbeit in den „Therapeutischen Gemeinschaften“, das Akzeptieren des Gewaltverbotes und im abstinenzorientierten Bereich die Abstinenzmotivation.
Die therapeutischen Grundprämissen sind:
- Wiedererlangung sozialer Kompetenzen in den „Therapeutischen Gemeinschaften“
- Wiedererlernen von Verantwortlichkeit durch Therapie in den Einrichtungen in Berührung mit Natur und Tieren
- Neufindung des eigenen Lebensrhythmus und Wiederaufbau des Selbstwertgefühls durch sinnvolle Beschäftigung im Rahmen der Arbeitstherapie und das Eingebundensein in Arbeitsstruktur und Arbeitsrhythmus
- Selbstaktivierung durch Sport in der Gruppe. Durch Mannschaftssportarten werden Leistungsfähigkeit, Teamgeist und Frustrationstoleranz neu erlernt.
- Das Nebeneinander von freiwilliger und „Therapie statt Strafe“ als Spiegel gesellschaftlicher Realität
Erfolgreiche Rehabilitation und Integration der PatientInnen ist das wichtigste Ziel der unterschiedlichen Behandlungsformen. Größtmögliche Flexibilität in der Behandlung der Suchterkrankung, die als chronische Erkrankung verstanden werden muss, ist notwendig, wobei die individuellen Bedürfnisse der PatientInnen im Vordergrund stehen. Als wichtigstes Mittel der Orientierung im Behandlungssystem dient das Indikationsschema des „Grünen Kreises“, das in der Vorbetreuung zum Einsatz kommt und den PatientInnen und VorbetreuerInnen die Möglichkeit des Behandlungswegs in der Differenzierung „stationäre oder ambulante Therapie“ aufzeigt. Generell wird auf den Ebenen „sozialer Status“, „psychischer Status“, „medizinischer Status“ und „Suchtgeschichte“ differenziert.
Aufnahmekriterien für die Therapieangebote des „Grünen Kreises“:
- Sozialer Status: Arbeitsverhältnis, Wohnsituation, Familienverhältnisse, finanzielle Situation, strafrechtlicher Hintergrund („Therapie statt Strafe“)
- Psychischer Status: Psychische Vorgeschichte, Vortherapie
- Medizinischer Status: Somatische Erkrankungen, Komorbidität, chronische Erkrankungen (HIV- bzw. Hepatitis C Infektionen)
- Suchtgeschichte: Dauer der Abhängigkeit, Art der Suchterkrankung, Überdosierung, Substitution
Ausschließungsgründe für eine Aufnahme sind akute Suizidalität, schwere Gewaltbereitschaft und schwere akute somatische Erkrankungen.
Mehr Information:
Broschüre Behandlungssystem
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